LOGBUCH XLV (10. April 2023). Von Norbert Feinendegen

Der bedeutende Philosoph und Laientheologe C. S. Lewis sah die Dreieinigkeit Gottes als notwendige Konsequenz der Tatsache, daß Gott Liebe ist, wie es im ersten Johannesbrief heißt. In Lewis’ eigenen Worten: „Die Worte ‚Gott ist Liebe‘ haben keine wirkliche Bedeutung, solange Gott nicht mindestens zwei Personen umfaßt. Liebe ist etwas, das eine Person für eine andere Person empfindet. Wäre Gott eine einzige Person, so wäre er vor der Erschaffung der Welt nicht Liebe gewesen.“
LOGBUCH XLIV (3. April 2023). Von Daniel Zöllner

Im Abendland geht der lebendige Bezug auf die heilige Überlieferung mehr und mehr verloren. Dem abendländischen Denken droht ein Sterilwerden, indem die Vernunft sich abschneidet von dem befruchtenden Einfluß der Offenbarung, die in der heiligen Überlieferung weitergegeben wird. Das abendländische Denken hat nur dann eine Zukunft, wenn es sich – in stetiger Rückbesinnung auf die Tradition, besonders auf die heilige Überlieferung des Christentums – radikal erneuert. Als Keim zu einer radikalen Erneuerung betrachtet der Beitrag das Projekt einer trinitarischen Ontologie.
LOGBUCH XLIII (29. März 2023). Von Michael Rieger

Wie armselig ist die geistige Debatte in diesem Land geworden? Harry Nutt kommt das große Verdienst zu, diesem geistigen Verfall, dieser Unsäglichkeit deutlich und unmißverständlich widersprochen zu haben, und zwar in der Frankfurter Rundschau vom gestrigen Dienstag, den 28. März 2023. Dort kann jeder, den es angeht, einer genauen Schilderung eines Dramas schierer Dummheit beiwohnen. Eine Entrüstung.
LOGBUCH XLII (13. März 2023). Von Michael Rieger

Manchmal steckt der Teufel im Detail. Was sagt es über die Sprachpraxis der Gegenwart aus, wenn – ausgerechnet in den Erklärungen der ehrenwerten Elberfelder Bibel – Petrus als „Teamleiter seiner Jünger“ bezeichnet wird? Kann man auf diesen Stein noch etwas bauen? Und wird dadurch nicht gewissermaßen das Ganze fragwürdig? Eine sprach- und kulturkritische Glosse, die den Leser erheitern und zugleich bedenklich stimmen kann.
LOGBUCH XLI (25. Februar 2023). Von Christoph Rohde

Wie könnte eine Strategie aussehen, um den Ukraine-Konflikt einzudämmen oder sogar zu beenden? Ein Vorschlag in sieben Punkten aus der Perspektive eines christlichen Realismus, der von Zynismus ebenso weit entfernt ist wie von einem moralistisch-überheblichen Idealismus.
LOGBUCH XL (24. Februar 2023). Von Christoph Rohde

Zum Jahrestag von Rußlands Überfall auf die Ukraine läßt sich feststellen, daß sich der Krieg verstetigt hat. Rußland ist es nicht gelungen, die Ukraine im Handstreich zu erobern. Im Gegenteil: durch strategische Fehleinschätzungen, mangelnde Moral und unzureichende militärische und logistische Ausrüstung hat sich die selbsternannte Großmacht in eine prekäre Situation manövriert.
LOGBUCH XXXIX (6. Februar 2023). Von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

Im Transhumanismus versucht der Mensch Gott nachzuäffen. Doch es gibt auch eine genuin christliche Vergöttlichung des Menschen, ja diese Idee führt sogar in den Glutkern des christlichen Glaubens. Im 20. Jahrhundert hat dies insbesondere Romano Guardini gesehen, auf dessen Aussagen sich der Beitrag stützt. So wird ein gläubiges Gegenmodell zu den transhumanistischen Verirrungen und Versuchungen entworfen.
LOGBUCH XXXVIII (16. Januar 2023). Von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

Wir stehen heute in der Brandung des „Fortschritts“, uns selbst konstruieren zu können. Transhumanismus setzt auf die Mechanik des Körpers, die sich nachbauen, mehr noch: verbessern, steigern, ja ersetzen läßt. Der Wunsch nach „übermenschlichem Dasein“ tastet sich in die Möglichkeit hinein, die körperlichen und reflexiven Grenzen des Menschen technologisch zu weiten, sie sogar zu sprengen – in unbekanntes Neuland des Könnens und Machens einzutreten. Utopien im Sinne des totalen Selbstentwurfs setzen sich zunehmend durch.
LOGBUCH XXXVII (25. Dezember 2022). Von Daniel Zöllner

Der Besuch eines ungebetenen Weihnachtsgastes provoziert eine anonyme Weihnachtsgesellschaft zu dessen Ermordung. War es wirklich Notwehr, wie der Ich-Erzähler behauptet? Der Gast ist der Heiland, die Mörder - seine Kirche, die ihn in Kitsch und Verharmlosung erstickt. Eine groteske und provokante Weihnachtsgeschichte, die an Dostojewskis Phantasie vom Großinquisitor anknüpft.
LOGBUCH XXXVI (4. Dezember 2022). Von Beate Broßmann

Mit dem Roman „Taube und Wildente“ vollzieht Mosebach den Abschied von der bürgerlichen Kultur in allen ihren Facetten, in Würde und mit Wehmut, melancholisch, aber in der Seele ungebrochen. Die „Buddenbrooks“ markierten den Anfang vom Ende als Tragödie. Vielleicht schildert Martin Mosebach den Verfall in seinen letzten Zügen: als Farce.
LOGBUCH XXXV (7. November 2022). Von Ulrich Kriehn

Die Doku „Kentler-Gate“ auf dem YouTube-Kanal der „Demo für Alle“ erregt zur Zeit große Aufmerksamkeit und wurde schon mehr als 25.000-mal aufgerufen. Viele reagieren wütend und schockiert und fragen sich, wie ein Pädagoge, der sowohl wissenschaftlich als auch moralisch zumindest fragwürdig war, weitgehend ohne Widerspruch agieren konnte und oft sogar bejubelt wurde. Die Erinnerungen eines Pädagogen und Zeitzeugen können weitere Bausteine liefern, um Antworten auf diese Frage zu finden.
LOGBUCH XXXIV (1. Oktober 2022). Von Beate Broßmann

Wenn man ein Buch zur Hand nimmt, in dem ein großen Dichter der Wende zum 18. Jahrhundert einen anderen großen Dichter derselben Zeit vorstellt und kritisiert, sieht das zunächst nach einem Orchideen-Thema aus. Auf dem Weg hin zu buchfreien Zeiten, da Lesen zur Angelegenheit feinschmeckender Liebhaber in geistig-kulturellen Nischen wird, fragt man sich schon: Wer außer den literaturwissenschaftlichen Leuten vom Fach wird das lesen? Und dann liest man sich fest und staunt über die unerwartet aktuelle Thematik dieser Trouvaille.
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