

LOGBUCH C (13. September 2026). Von Hans-Ulrich Kopp |
Am 13. September 2006 ist das Warenzeichen „Lepanto“ beim Deutschen Marken- und Patentamt eingetragen worden. Für die Entstehungsgeschichte des Verlages war es ein wichtiger Schritt, so daß es gerechtfertigt erscheint, das Jubiläum zu begehen und die folgenden Anmerkungen eines der Verleger beizufügen.
Die Gründungsidee entstand in einem Restaurant. Während der Suppe meinte einer der beteiligten Herren, es gebe auf dem Feld der katholischen Verlage durchaus noch Platz, ohne den etablierten Häusern etwas streitig zu machen. Beim Schweinebraten erwähnte der andere, in seiner Studentenverbindung sei einmal beschlossen worden, jedem Verwender der Redewendung „Man müßte mal …“ fünf Mark für die Gemeinschaftskasse abzuverlangen. Denn entweder verwirkliche man eine Vorstellung, oder man verzichte ganz auf unverbindliche Gedankenspielereien. Beim Dessert war man sich bereits einig, die Sache anzugehen.
Leicht gestaltete sich die Namensfindung, stand doch das Rosenkranzfest, einst von Papst Pius V. als Gedenktag „Unserer Lieben Frau vom Siege“ gestiftet, nahe bevor. Es war allen Beteiligten deutlich, daß dessen Symbolik für den Zweck geeignet war: Sie drückt die Hoffnung aus, in existentiellen Situationen Hilfe zu erhalten, freilich nicht ohne eigenes Zutun. „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“ – gewissermaßen die verchristlichte Ausformung des „fortes fortuna adiuvat“ – ist der Aufruf an uns, nicht untätig Gottes Beistand zu ersehnen, sondern das Mögliche zu tun, um seinen Geist in die Welt zu tragen.
Eine solche Zurüstung, die sich das konstantinische Ἐν τούτῳ νίκα („In hoc signo vinces“) auf die Fahnen schreibt, habe ich vor dreißig Jahren einmal in einer konservativen Wochenzeitung mit dem der Jugend zustehenden Pathos als „Vorneverteidigung der Schöpfungsordnung“ zu beschreiben versucht.
Die praktische Arbeit begann in Bonn am Rhein, wo ein stilvolles, aber alles andere als geräumiges Arbeitszimmer zur Verfügung stand, in dem unser erster Mitarbeiter, Axel Schmischke, seine sensationelle Umtriebigkeit entfaltete. Zum Auftakt erschien Die Erkenntnis des Vollkommenen. Wege der Vernunft zu Gott von Prof. Dr. Josef Seifert, worin man eine gewisse Tollkühnheit erkennen konnte: „Sie stehen ganz am Anfang und wollen schon Gott beweisen!“, tat ein erfahrener Verleger seine Skepsis kund. Auch dem Finanzamt erschien die Sache suspekt, so daß seine Prüfer die Stube inspizierten, in der solches unternommen wurde. Sie stellten aber fest, daß alles seine Ordnung hatte.
Unter Berufung auf die Spruchweisheit, Eigenlob sei „ein Weg, um sicherzustellen, daß es einmal richtig gesagt wurde“, möchten wir hier auch vermerken, eines schon seit damals zu pflegen und selbst manchen Großverlagen voraus zu haben: ein gewissenhaftes und kundiges Lektorat. Den Fehlerteufel treiben wir aus, so gut es geht, er soll weder in sachlichen Irrungen noch sprachlichen Wirrungen ein Auskommen finden.
Nach den Aufbaujahren und der Verlagerung nach Rückersdorf üb. Nürnberg fanden sich neue Mitarbeiter. Heute stützt der Germanist und Historiker Dr. Christoph Fackelmann unser Fortbestehen als Programmleiter vom Wiener Raum aus, während der Philosoph und Literaturwissenschaftler Dr. Daniel Zöllner im Schwäbischen das „Logbuch“, den verlagseigenen Blog, verantwortet. Der verlegerische Dank gilt weiters den vielen Buchautoren und Beiträgern (beider Geschlechter, wie man verständigen Menschen nicht erklären muß).
Es trifft sich, daß wir weiteres zu feiern haben: Dieses ist der einhundertste Beitrag im „Logbuch“. Nagende Zweifel zu Beginn, ob sich denn die erwünschte Kontinuität erreichen lassen werde, haben sich zerstreut. Das könnte damit zu tun haben, daß es sich nicht um einen dieser schreckeneinflößenden Blogs handelt, die alle Welt zum Bejahen oder Verneinen irgendeiner Äußerung einladen und dadurch ein Faß von Emotionen überlaufen lassen. Wir wollen stattdessen das ruhige Bedenken einer ebenso ruhig vorgetragenen Argumentation befördern.
Zum dritten ist, wie man sieht, unsere neue Internetpräsenz ins Werk gesetzt worden. Wer sie mit der vorigen, im erschreckend schnellen Zug der digitalen Zeit schon veralteten vergleicht, wird bemerken, daß sich die äußere Form, nicht aber der in ihr beschlossene Geist verändert hat, und darin liegt überhaupt ein Merkmal des Verlags. Wir wollen zwar, was die Auswahl der Themen und die Auseinandersetzung mit Gegenwartsfragen betrifft, durchaus auf der „Höhe der Zeit“ stehen. (Steht sie wirklich höher als die vorangegangenen?) Das kann aber nicht bedeuten, kurzsichtig einem momentanen, morgen schon abgetanen Modernismus zu folgen.
Als katholischer Verlag bekennen wir uns zu einem alles begründenden und tragenden Grund, der in nuce unveränderlich ist. Wie die Kirche als göttliche Stiftung ihren Dienern zur Verwaltung und nicht zum Abriß übergeben ist, so sehen sich auch die Verleger nicht als Abrißunternehmer. Ihr Antrieb ist es vielmehr, Autoren zu gewinnen, die aus den reichlich vorhandenen, vielfach wiederzuentdeckenden Schätzen der abendländischen Theologie, Philosophie und Literatur geistigen Gewinn hervorbringen.
Buchprogramm und „Logbuch“ sollen ein Forum des Nach- und Vordenkens sein, ein Aussichtspunkt, um die wunderbare Tradition der Christenheit und der aus ihr hervorgegangenen philosophischen und literarischen Gedankenwelten zu überschauen, und, wo notwendig, auch ein Portal, um Gegenpositionen zu menschheitsfeindlichen Verblendungen zu formulieren. „Leben kann man mit seiner Zeit“, sagt uns Edzard Schaper, „muß man zuweilen auch gegen seine Zeit, aber alles Leben bezieht sich auf den Aspekt der Ewigkeit hinter der Zeit.“
Unausweichlich zählen heute Künstliche Intelligenz, Trans- und Posthumanismus zu den Themen, die im Autorenkreis besprochen werden. Wenngleich eindeutig zu häufig von „gewaltigen Herausforderungen“ die Rede ist, dürfte das Wort hier zutreffen. Papst Leo XIV. hat in seiner Enzyklika Magnifica humanitas (15. Mai 2026) vor der Gottwerdung des Roboters gewarnt, und, ohne einer Technikverdammung nachzugeben, das Unverfügbare der Menschenwürde hervorgehoben. Gelingen kann deren Bewahrung dort, wo der Mensch sein eigenes Bild, imago et similitudo Dei, im Spiegel erkennt und sich nicht in ideologischen oder utopischen Zerrbildern verfängt.
1571 ist es gelungen, die Welt der europäischen Renaissance mit zweihundert Galeeren unter der Anrufung der Gottesmutter zu verteidigen und damit zu verhindern, daß eine glänzende Epoche vorzeitig unterging. Was wäre aus unserem Erdteil geworden, wenn sein vom kapitolinischen Hügel, der Akropolis und Golgatha herabströmender Geist nicht weiter hätte wehen können? Heute kreuzt keine christliche Armada die See, aber wenn es auch nur die „Nußschale auf dem Meer der Zeit“ ist, auf deren fortdauernde Fahrt Benedikt XVI. überzeugt war vertrauen zu dürfen, dann haben wir immer wieder Grund genug, das Schreibwerkzeug in die Hand zu nehmen, damit, dem Verlagssignet entsprechend, zwischen den Blättern die Früchte reifen.
Abbildung: Detail aus Giorgio Vasari u. Werkstatt: La battaglia di Lepanto (1572/73), Fresko in der Sala Regia, Vatikan / Wikimedia Commons